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Ghana Abschlussbericht von Lisa

Hallo Ihr Lieben, ich bin seit dem 26. September wieder zurück in Deutschland und schaffe es leider jetzt endlich, Euch die Abschlussemail zur Spendenaktion zu schicken.. Jetzt habe ich zumindest langsam den Abschiedsschmerz hinter mir, habe mich damit abgefunden, den Winter hier in Deutschland zu verbringen, hab den ersten Uni-Stress überstanden und einen neuen Job gefunden.

Die Zeit in Ghana habe ich als sehr erfahrungs- und erlebnisreich und intensiv empfunden, als sehr schön und sehr traurig. Die Situation der Kinder, die dort unter der Armutsgrenze leben, ist furchtbar. Oft werden sie von den Eltern nicht zur Schule geschickt, auf Grund von Geldmangel oder weil die Kinder als Arbeitskräfte auf dem Feld, im Straßenverkauf oder im Haushalt bei den kleineren Kindern gebraucht werden.
Die Kinderanzahl ist der Wahnsinn, wenn man vor allem in kleine, abgelegen, meist unglaublich arme Dörfer kommt, gleichen die Siedlungen eher einem Kindergarten, überall purzeln die Kids auf der Strasse herum. Dazu kommt der unzureichende Zugang zu medizinischer Hilfe, und das in einem Land, in dem Malaria, Parasiten und natürlich auch HIV zum Alltag gehören. Nicht ausgewogene und zu wenig Nahrung ist ein weiteres Problem, obwohl es trotz aller Armut keine wirklichen Hungertote in Ghana gibt, dazu ist die Vegetation zu reichhaltig und der Zusammenhalt der Menschen untereinander, vor allem in den Dörfern fernab von den größeren Städten, zu groß. Prügelstrafen in den Schulen aber vor allem häusliche Gewalt sind in Ghana ebenfalls große Themen.



Bei all diesen Problemen, mit denen die Kinder in Ghana zu kämpfen haben, muss jedoch leider hinzugefügt werden, dass die Situation dort im innerafrikanischen Vergleich noch gemäßigt ist. Ghana gilt als stabile Demokratie (wie stabil, wird sich bei den Wahlen im Dezember herausstellen), das Gesundheitssystem versorgt chronisch Kranke umsonst (darunter zählen auch AIDS infizierte, deren Zahl offiziell sehr gering ist, die Zahlen der Mediziner und ehrenamtlichen Helfer in den AIDS Krankenhäusern sprichen jedoch eine ganz andere Sprache), der Alphabetismus relativ hoch, und das Wichtigste, was sich natürlich auch auf Psychologie und soziale Strukturen auswirkt:
Ghana ist seit 50 Jahren Kriegs- und Bürgerkriegsfrei. Versteht mich nicht falsch, ich will die Lage in Ghana auf keinen Fall herunterspielen, denn sie ist sehr ernst und die Armut in den Dörfern ist schockierend, vor allem wenn man die Situation mit europäischen Maßstäben vergleicht. Im afrikanischen Vergleich jedoch geht es schon allein den Nachbarländern Ghanas bzgl Hunger, früheren Bürgerkriegen, Kindersoldaten und ehemaligen Flüchtlingen schlechter.

Die Kinder im Waisenhaus Luckyhill sind allesamt wahnsinnige Schätze und der Unterstützung und Zuneigung um ein vielfaches wert. In der Administration und der Transparenz durch den Direktor des Waisenhauses gab es in der Zeit, in der ich dort war, einige Schwachstellen, die wir erstens versucht haben, zu verbessern und die zweitens dazu geführt haben, dass ich darauf geachtet habe, dass das Geld, das Ihr gespendet habt, nur wirklich direkt zu Gunsten der Kinder ausgegeben wird. Als Ausnahme dazu gilt das Schulzertifikat, das ich ganz am Anfang erworben habe, und das den Kindern natürlich nur indirekt zu Gute kommen kann. Ansonsten habe ich das Geld für Körperseife, Zahnbürsten und Paste ausgegeben sowie jede Woche für Obst (Bananen, Mangos, Ananas, Papaya), um für eine ausgeglichene Ernährung und Vitaminzufuhr zu sorgen, zumindest, solange ich da war. Andere kleinere Ausgaben waren ein Fußball und Buchhaltungsbücher, die wir für den Direktor gekauft haben, um Durchblick in seine Finanzen zu bekommen. Eine der Hauptausgaben waren Matratzen für die Kinder und Gummiauflagen für ein paar von ihnen. Die Kinder haben bis dahin auf dem Boden auf Decken geschlafen, jetzt hat zumindest jedes eine Matratze für sich. Bald sollen genug Räume zur Verfügung stehen, in die dann Betten gestellt werden können.



Die andere Hauptausgabe war ein 2-Jahres-Vertrag mit der örtlichen Müllabfuhr. Die Müllentsorgung auf dem Gelände war bisher nicht organisiert, der Müll wurde jeden Morgen von den Schülern zusammen gefegt und zu einem Müllberg ebenfalls direkt auf dem Gelände gebracht. Wenn der Müllberg hoch genug war, wurde er angezündet. Bis dahin spielten die Kinder auf und neben diesem Berg, und das Gelände war den ganzen Tag über verschmutzt. Dazu kommt, dass kleine, scharfe Gegenstände wie Rasierklingen auch einfach auf das Gelände hinausgeworfen wurden, und die Kinder dort nach der Schule alle barfuss herumlaufen und Fußball spielen. Im Hinblick auf die hygienische und auch körperliche Gefährdung der Kids habe ich mich vor Ort beraten lassen und habe mit dem Direktor beschlossen, dass der Vertrag mit dem Müllunternehmen abgeschlossen wird. Die Müllmänner werden einmal im Monat bezahlt, wenn sie den Müll abholen (großen Tonnen habe ich ebenfalls mit dem Spendengeld gekauft), der Direktor bekommt eine Quittung, die er nach Deutschland schickt und daraufhin das Geld ausgezahlt bekommt. Die Organisation des ganzen hat Kinder-in-Ghana e.V. für uns übernommen, wofür ich mich an dieser Stelle noch mal herzlich bedanken möchte.

Nach all diesen Ausgaben sind noch rund 150 Euro übrig, die ich entweder gerne für zukünftige Betten für die Kids ausgeben möchte. Eine andere Option ist, eine geplante Herzoperation für eines der Mädchen aus dem Heim zu unterstützen. Für diese Ausgabe warte ich noch auf weitere Informationen aus Ghana und vom Verein.

Ich hoffe, Ihr seid mit der Verwendung der Gelder einverstanden, ich konnte in meinen Augen sehr viel Gutes für die Kinder vor Ort damit erreichen, sowohl kurzfristig als auch langfristig. Ich danke Euch dafür, auch im Namen der Waisen, von ganzem Herzen. Vielen Dank auch für die Kleider- und Schuhspenden!

Ich freue mich auf Fragen, Anregungen und auch Kritik von Eurer Seite.

Viele Liebe Grüße und bis bald,

Lisa

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